Ja! aber Nein!

Quereinsteiger für das Lehramt werden gesucht und zahlreiche Bundesländer reagieren mit Quereinstiegsprogrammen, um Leuten aus der Praxis in die Schulen zu ziehen. Neben der Absicht, vorhandene Lücken zu füllen, macht ein Zufluss von frischen Lehrkräften, die schon Praxiserfahrung außerhalb der klassischen Lehramtskarrierepfades Gymnasium -> Universität -> Referendariat (=Schule/Seminar) -> Schule (also Bildungssektor only) gesammelt haben, durchaus auch Sinn. Zum einen belebt es die Lehrerkollegien und bringt neue Sichtweisen auf die eigene Tätigkeit, zum anderen profitieren auch Schüler davon, wenn ihr Chemielehrer nicht nur Reaktionen erklären kann, sondern auch schon mal eine chemische Produktionsanlage in der Praxis erlebt hat.

Veränderung macht Angst. Angst vor neuen Ideen, vor Veränderung und durchaus auch Angst vor Entwertung des eigenen Status. Und so bekommt man im konkreten Umgang mit den mit der Akquise von Quereinsteigern beauftragten Landesstellen durchaus den Eindruck, das eine ungeliebte Dienstanweisung auf dem bürokratischen Weg ausgebremst wird.

Das eine Landesamt teilt mir mit, das Quereinsteiger gerne genommen werden, jedoch nur, wenn sie in Haupt- und Zweitfach die gleichen akademischen Leistungen wie Lehramtsstudenten vorweisen können, auf die Didaktik werde dabei großzügig verzichtet, die kann im Referendariat nachvermittelt werden. Nett, aber das geht eigentlich nur, wenn man eh ein Lehramtsstudium gemacht hat oder (sehr selten!) zwei Studiengänge, die für das Referendariat qualifizieren, studiert hat, denn kaum ein Neben- oder Wahlfach eines klassischen Monofachstudiums kommt auf die geforderten Studienpunkte.

Das andere Amt teilt mit, das man sich streng an die akademischen Richtlinien der lokalen Universität halte. Schade, die bilden nur gar keine Berufsschullehrer aus (als Wirtschaftsmensch ist diese Schulform das angestrebte Lehramt).

Die nächste Landesinstitution lässt wissen, das sie zwar Betriebswirtschaftsmenschen mit Schwerpunkt Volkswirtschaft und Informatik suchen, Bewerbungen von Volkswirtschaftsmenschen mit Schwerpunkt Informatik jedoch völlig aussichtslos sind. Dabei muss man wissen, das Betriebs- und Volkswirtschaftslehre zu ca. 75% identische Studiengänge mit unterschiedlichen Spezialisierungen sind und die zu vermittelnden Wisseninhalte und Kompetenzen, welche in den Lehrplänen für Wirtschaft der Schulen festgeschrieben sind, zum großen Teil aus dem Bereich der Volkswirtschaftslehre kommt.

Ich sehe schon, Lehrerwerden ist nicht einfach.

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