Eine kurze Frage nach dem Sinn

Der erste Montag nach den Ferien. Ich bin müde, die Schüler meiner quirligen 9. sind müde und aus der gemeinsamen Müdigkeit war eine doch recht produktive Stunde gewachsen. In den Lärm von packenden Schülern (die Klasse rückt zum Sport aus), kommt noch eine kurze Frage mich meinem Oberquirrl. Er meldet sich dazu, was mich sehr glücklich macht, ich bemühe mich immerhin seit Beginn des Schuljahres ihm klarzumachen, dass er seine wilden Ideen nicht einfach so sondern erst nach dem beliebten Melden-Warten-Drankommen-Sagen in den Raum entlassen darf. Also nehme ich ihn dran: „Sie haben ja solange studiert und so und das ist ja bestimmt auch alles voll schwer gewesen, warum machen sie denn keinen richtigen Beruf?

Ja…ähm…

Meine Schülerchens wissen nicht, das ich zwar funktional Lehrer bin, formal jedoch noch weit davon entfernt bin, den Ritterschlag namens 2. Staatsexamen in der Tasche zu haben. Es hindert sie nicht daran, meinen Unterricht trotzdem mehr oder weniger gut zu finden und dann halt mal nebenbei die Sinnfrage zu stellen.

Gedanken kreisen, erzähl ich ihm was von den Haien, mit denen ich schwimmen musste, Gespenstern, denen ich die Hand geben musste, mach ich ihm klar, dass Lehrer durchaus ein richtiger Beruf ist? Wie erkläre ich, weshalb ich einen Job im Management hingeworfen habe, der mehr Geld einbrachte als hier der Direktor verdient?

Weil es mir hier mit euch Spaß macht und ich denke, das ihr was wir hier machen gut gebrauchen könnt„.

Mein Quirl nickt, grunzt zustimmend und verschwindet zum Sport.

Vielleicht war die Frage doch gar nicht so komplex gemeint, wie ich sie verstanden habe.

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3 Kommentare

    • Ich gestehe, das glaub ich gar nicht mal. Der Junge hat es nicht einfach seine Gedanken zu sortieren und ist dadurch Aussenseiter. Er hat schon viel an sich gearbeitet, um das mit der Impulskontrolle in meinem Unterricht den Griff zu bekommen (Psychologie regt die Fantasie der SuS zu aberwitzigen „Ja, aber…“-Einwänden an) und arbeitet im Unterricht zunehmend besser mit. Ich glaub, die Frage schoss ihm wirklich spontan durch den Kopf, ganz ohne Provokation.

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