Die Didaktik nach Wong

Unser Professor für Gesellschaft und Didaktik der Informatik (naja, der Lehrstuhl heißt anders, aber es beschreibt die thematische Restekiste der Fakultät, die er zu bearbeiten hat) ist ein sehr studierendenzugewandter, offener und gesprächsbereiter Mensch. Er kann gut zuhören und vermittelt das Gefühl, Studierende in ihren Problematiken ernst zu nehmen und konstruktiv zu unterstützen. Seine Veranstaltungen sind wirklich interessant und aktivierend gestaltet, er vertritt seine Konzepte authentisch und kann auch sehr begeistert ins Fachsimpeln im Gamerjargon geraten.

Aber es geht hier nicht um ihn, sondern um den Doktor, der alle Veranstaltungen der Didaktik hält.

Ich nenne ihn hier einmal Dr. Wong.

Dr. Wongs Eltern kamen offensichtlich vor vielen Jahren von weit her. Er selbst hat in einem fernen Land seine Kindheit verbracht und an der dortigen Uni Informatik studiert und promoviert: Hamburg. Sein Deutsch ist leider etwas holperig, so das man als Lehramtsstudent manchmal auf die Erkenntnisse der Veranstaltung „Deutsch als Zweitsprache“ zurückgreifen muss, um Geduld und Verständnis für Kommunikationsprobleme aufzubringen.

Genaugenommen fühle ich mich absolut unverstanden. Ich bin jetzt nicht auf den Mund gefallen und hab auch reichlich Kommunikationstraining genossen, aber gegen Dr. Wong zu argumentieren ist frustrierend: Entweder er starrt einen ausdruckslos (er schaut immer ausdruckslos) an und wendet sich dann abrupt dem nächsten zu oder er antwortet zu einem Themenkomplex, der aktuell kein Thema ist. Während in anderen Didaktiken Wert auf die Art gelegt wird, wie man Feedback gibt, wie man auf SuS Beiträge reagiert, oder generell wie man sich als Lehrkraft im Lernraum gibt: In der Didaktik nach Wong spielt das alles keine Rolle.

Informatik ist schnelllebig. Der Hype von heute ist der Ramsch von morgen. Es besteht daher noch viel stärker als in anderen Fächern die Notwendigkeit, Inhalte auf Überalterung und Langlebigkeit zu prüfen. Es stellt sich also die Frage ob man

  • praktische Kenntnisse zu MS Word vermittelt, auch wenn diese mit der nächsten Version vielleicht schon obsolet werden könnten,
  • oder ob man zeitloses Grundkonzepte der Textverarbeitung unterrichtet, aus der Idee heraus, dass damit die SuS zwar konkret sofort nichts anfangen können, sie sich dafür aber in Zukunft in jede Textverarbeitung eindenken können.

In der Didaktik nach Wong gibt es nur die zweite Variante, die aber in der reinen Lehre der hohen universitären Abstraktion, da Themen der Motivation und Emotionalität von Lernen hier nicht existieren. Mein Einwand, dass damit sowohl SuS aus den Informatik-Wahlfächern vertrieben (ist ja nicht überall Pflicht), durch das Ausbleiben von zeitnahen Erfolgserlebnissen frustriert und für die Zukunft nicht für das Fach begeistert sondern erst abgeschreckt werden würden, wurde in der korrekten Anwendung der Didaktik nach Wong durch Anstarren und spontanen Themenwechsel akademisch vollständig bearbeitet.

Dr. Wong hat sein Didaktikkonzept sehr gut ausgearbeitet und verinnerlicht. Er hat ihm sein Leben gewidmet und dafür auch auf jegliche praktische Unterrichtstätigkeit an Schulen verzichtet. Laut eigenem Bekunden hat er durchaus mal für eine Informationswoche „MINT-Fächer für Mädchen“ vor Schülerinnen gestanden, zumindest bis sein Chef ihn am 2. Tag durch eine Kollegin ersetzte.

Die Didaktik nach Wong basiert auf Ideen des Konstruktivismus. Die SuS erarbeiten sich ihre Inhalte selbst, in dem sie in einem analysebasierenden Ansatz bestehende Programme lesen und interpretieren, nur wenn noch Zeit ist, darf auch selbst programmiert werden. Durch konsequentes Abstimmen lassen, ob im Lehrervortrag präsentierte Inhalte auf Interesse stoßen oder weggelassen werden können, wird eine intensive Schülerzentrierung geschaffen.

Die Konzepte der Didaktik nach Wong sind alternativlos und im Unterricht unbedingt umzusetzen. Natürlich nicht im Seminar selbst, dort weicht der Konstuktivismus einer konkreten und sauber definierten Aufgabenabarbeitung (die in ihrem Umfang jedoch nicht Eingang in die moderne Leistungspunktberechnung genannt Modulhandbuch findet).

Dr. Wong leitet alle Veranstaltungen und Seminare für Lehrämtler, auch hospitiert er die Praktika. Ich werde daher noch viele Lehreinheiten in der Didaktik nach Wong genießen. Außer vielleicht im Praktikum, Gerüchten nach lässt er seine betreuten Studierenden sich gegenseitig hospitieren und widmet sich der theoretischen Forschung am Lehrstuhl.

Ich wäre darüber nicht traurig.

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Ich will hier raus.

Raumverteilung im Elfenbeinturm

Semesterende, für meinen Geschmack 2 Wochen zu spät. Aber vor die vorlesungsfreie Zeit hat der grosse Direktor die Klausuren gelegt.
Während in der Vorlesungszeit können Unterricht und Vorlesung, zwar eng verzahnt und auf knirsch genäht, koexistieren. Aber wenn die Klausuren nahen, stell ich jedesmal fest, dass für zusätzliches Lernen kaum noch Zeit bleibt, zumal das Leben dann noch zusätzliche Überaschungen aus der Trickkiste holt.

Und ehrlich gesagt: Ich würde mich durchaus als analytischer Mensch mit einer grossen Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten beschreiben, aber im Lehramtsstudium zeigt sich der Elfenbeinturm zunehmend absurder.

Recht weit oben, mir Fenstern um die Welt da draussen zu sehen und einem kleinen Balkon, um die Luft der Realität zu schnuppern, da residieren die Wirtschaftspädagogen. Da wo andere Lehrämtler Erziehungstheorien zu 6-Jährigen hören, lauschen wir Theorien über die gesellschaftliche Bedeutung des Berufsbildungssystems. Die Menschwerdung endet nicht mit Piaget, daher ein wirklich spannendes Thema, sehr viel Verknüpfung der Therien zur Praxis, alles auf das Lehrerdasein ausgerichtet.
Die Abschlussprüfung beinhaltet ein Referat und eine Klausur, 90 Minuten. Geprüft werden ca. 200 Folien, eine höchstspannende Vorlesung und eine didaktisch beeindruckend gut gemachte Übung. Das gibt dann 4 Leistungspunkte.

Unten im Keller des Elfenbeinturms, da wo die Server stehen und kein Tageslicht hinfällt, niemand vorbeikommt und Real ein Fliesskommazahlenformat ist, da leben die Informatiker. Als die Informatikfakultät beauftragt wurde, eine Prüfungsordnung für Lehramtsstudierende zu entwerfen, haben sich die honoren Informatikprofessoren vermutlich an ihre eigene Schulzeit erinnert, nichts zum Thema Informatikunterricht gefunden und dann einfach ein Profil für „Hilfsinformatiker/Programmierer“ entworfen, also für die armen Kreaturen, bei denen es nicht zum Vollinformatiker gereicht hat sondern die ein anderes Fach dazustudieren mussten. Um diesen aber doch noch eine Chance am Arbeitsmarkt zu geben, wurde alles hineingepackt, was man für niedere Programmiererdienste so gebrauchen kann.
Bestimmt nett gemeint, aber völlig unrealistisch und am Lehramt Meilen vorbei. Die Inhalte kommen da niemals nie nicht vor, andere Veranstaltungen mit mehr Bezug zum Lehrplan sind aber ausgeschlossen.
Nicht für das Leben sondern für die Modulabschlussprüfung lernen wir…
Und zwar ca. 1800 Folien, eng beschrieben, gegen alle Powerpointregeln designed, dazu noch 300 Folien der grottenschlechten Übung. In der haben wir dazu jede Woche ca. 4h in Hausaufgaben investiert, um überhaupt zur Klausur zugelassen zu werden.
Das gibt dann 8 Leistungspunkte.

Ich verstehe mittlerweile warum bundesweit Informatiklehrer fehlen.

Smartes Seminar

Die Moderne hat Einzug gehalten: Weil alle Referate gehalten war, fragte der Dozent des Seminars (Multimedia in der Schule – Themen nur Dinge die entweder nichts mit Medien zu tun hatten oder niemals nicht garsoüberhauptniemals in der Schule eine Rolle spielen werden)  vorsichtig an, ob jemand Interesse an einer Einführung in die Nutzung von Smartboards interessiert sei.

Tatsächlich gab es welche und so standen wir wie kleine Aliens vor so einem Wunderding und ein studentischer Mitarbeiter (!)  zeigte dann was so geht. Als ich davon später einem Tutor erzählte, kam er erstmal ins Grübeln, wo in der Informatikfakultät denn bitte Smartboards seien, er habe noch nie eines gesehen.

Ich schon: In einem Praktikum an einer Berufsschule war in jedem Klassenraum eines. Mit Computer. Und ein Multifunktionsdrucker. Mit unbegrenztem Druck und Kopierkontingent. Und ein Auflichtscanner.

Aber dafür ist der Kaffee im Elfenbeinturm besser.

p.s. Selbst bei den Simpsons sind Smartboards angekommen.

Zukunftsplanung mit Fächerbingo

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Hm. Also Lehramt, Erstfach ist klar, Haifischkunde. Schon Robinson auf seiner Insel musste wirtschaften und das ist nicht besser geworden. Außerdem hab ich da nen Abschluss rumliegen. Bei Wirtschaft muss es … Berufliches Lehramt werden.
Hm.
Vielleicht nicht schlecht, 2. Staatsexamen ist 2. Staatsexamen, bei Berufsschulen haben weniger Eltern Diskussionsbedarf (Einwurf von meiner angetrauten Frau Grade) und die Unterstufe und ich sind vielleicht wirklich nicht so füreinander geschaffen (Frau Grade nickt heftig im Hintergrund).

*scroll*

Zweitfach … Psychologie…. gibt es kein Referendariat für. Mist. Gibt es ein Drittfach?

*grübel*

Aber Informatik! Immerhin hatte ich das als Wahlfach im Studium, dressiere gerne Rechner und spreche fliessend Nerd.

Also Wirtschaft und Informatik an der Berufsschule (und Psychologie als Drittfach!). Ich fürchte, es wird symptomatisch für mich, das ich das Dritt- vor dem Zweitfach habe.

Bleibt nur noch rauszufinden, wie ich da rein komme.